Studieren in Riga
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Rasmus Doberstein, Austauschsemester in Riga (FS 2026)
Vorbereitung
Die Vorbereitung zum Auslandsaufenthalt lief grösstenteils problemlos. Ursprünglich hatte ich geplant, einen Aufenthalt selbst zu organisieren. Der grosse organisatorische Aufwand hielt mich jedoch davon ab, weshalb ich mich schlussendlich für ein SEMP-Abkommen entschied. Ich wählte die University of Latvia in Riga, einerseits weil ich dort meine Russischkenntnisse verbessern konnte, andererseits hatte ich die Stadt sowie die anderen Staaten des Baltikums in den letzten zwei Jahren besucht und gemerkt, dass mir die Region ziemlich gut gefällt. Dank meiner Fachkoordinatorin der UZH erhielt ich alle Unterlagen, die ich brauchte, beizeiten. Auf meine Fragen bekam ich ebenfalls schnell Antworten. Seitens der UZH war also stets klar, welche Formulare wo einzureichen sind. An der UL war die Kommunikation ebenfalls relativ gut, allerdings war insbesondere die Anmeldeprozedur etwas verwirrend, da diese nicht mit den Daten für das SEMP-Abkommen verknüpft waren. Somit mussten einige Formulare doppelt oder auf andere Weise eingereicht werden. Glücklicherweise standen die Koordinator*innen der UL ebenfalls zur schnellen Unterstützung bei Fragen oder Problemen bereit. Die Modulbuchung war sehr anders organisiert als an der UZH. Die Koordinatorin der Fakultät musste die Module für uns Studierende buchen, weshalb wir erst wenige Tage vor Beginn der ersten Kursen erfahren haben, ob wir tatsächlich alle Kurse besuchen können. Bei der Slavistik gestaltete sich dies jedoch nicht als Problem, sodass ich alle Kurse besuchen konnte, die auf meinem Learning Agreement geplant waren. Weil die Kurse der Slavistik alle auf Russisch unterrichtet werden, begann ich vor dem Semester wieder meine alten Lehrmaterialien zu repetieren. Dennoch war es besonders am Anfang des Semesters etwas schwierig in den Kursen mitzuhalten. Nach einer Weile konnte ich mich aber daran gewöhnen und mehr an Diskussionen teilnehmen.
Zimmersuche/Wohnen
Die Zimmersuche gestaltete sich als nicht allzu schwierig, allerdings war der Anmeldeprozess mühsam. Bereits frühzeitig wurden von unserer Koordinatorin in Riga Informationen zur Anmeldung für Studierendenwohnheime inklusive Deadlines zur Anmeldung geschickt. Ich entschied mich für das Hostel Prima – etwa 15 Minuten vom Zentrum und der Universität entfernt. Wenige Tage vor Anmeldeschluss erhielt ich jedoch eine Nachricht, dass das Anmeldeformular geändert werden musste, da ein anderes Wohnheim plötzlich nicht mehr zur Verfügung stand. Da ich weder Auskunft noch eine Bestätigung der erfolgreichen Anmeldung von meinem Wohnheim erhalten hatte, war nicht klar, ob das Formular erneut auszufüllen sei. Schlussendlich wurde ich per Email direkt zum Wohnheim weitergeleitet, wo die Anmeldung manuell stattfand. Der gesamte Anmeldeprozess war also sehr chaotisch und undurchsichtig. Als ich im Wohnheim ankam, gab es jedoch glücklicherweise keine Probleme beim Check-In.
Das Wohnheim bietet sowohl Einzel- wie auch Doppelzimmer an, wobei für mich nur das Einzelzimmer in Frage kam. Jedes Einzelzimmer teilt sich mit einem Doppelzimmer ein Bad und eine Toilette. Als ich ankam, war mein Zimmer sauber und ohne grössere Mängel. Die graue Tapete gepaart mit dem grauen Boden gaben dem Zimmer jedoch einen sehr faden Anblick. Im Verlauf meines Aufenthalts besorgte ich daher einige kleinere Dekorationsstücke, um das Zimmer etwas aufzuwerten. WLAN gibt es leider nicht, allerdings wird ein Ethernet-Zugang mitsamt Kabel angeboten. Mein Kabel funktionierte anfangs nicht, jedoch konnte es ohne Probleme an der Rezeption ausgetauscht werden. Später kaufte ich noch einen kleinen WLAN-Router, wodurch der Internetzugang unkompliziert möglich war. Ausserhalb meines Zimmers war das Leben im Wohnheim jedoch weniger zufriedenstellend. Meine Mitbewohner, mit denen ich das Bad teilte, sorgten leider dafür, dass der geteilte Raum stets schmutzig war, selbst direkt nach der monatlichen Reinigung. Die Dusche oder die Toilette verwendete ich daher nur ungern. Die Gemeinschaftsküche des Stockwerks wurde ebenfalls oft von einigen Bewohner*innen in unverwendbarem Zustand hinterlassen, sodass Kochen nicht wirklich eine Option war. Ich traf dort mehrere internationale Studierende, welche jedoch grösstenteils im ersten Monat auszogen. Ein weiteres Problem war das Fehlen jeglicher Schalldämmung. Da einige Bewohner*innen und manchmal auch meine Mitbewohner noch bis vier am Morgen laut Musik hörten oder anderweitig laut waren, war es selbst mit Ohrenstöpsel schwierig zu schlafen. Schliesslich gab es auch Probleme mit Kakerlaken, welche trotz einer Totalreinigung, bei der alle Bewohner*innen evakuiert wurden, nicht verschwanden.
Ich würde dementsprechend empfehlen, das Hostel Prima zu vermeiden und stattdessen ein anderes Wohnheim oder ein WG-Zimmer zu suchen. Davon gibt es sehr viele und die Universitätskoordinator*innen helfen einem dabei, etwas zu finden. Preislich liegen alle Optionen unter 500 Franken. Würde ich erneut nach Riga gehen, dann würde ich mich auf jeden Fall für eine dieser anderen Optionen entscheiden.
Universität
Die Universität ist sehr strikt in Fakultäten und Fakultätsgebäude unterteilt. Meine Kurse fanden alle an der Faculty of Humanities statt. Dabei handelt es sich um ein etwas in die Jahre gekommenes Gebäude. Die Gänge sind relativ dunkel und die Zimmer eher klein. Auch gibt es dort keine eigene Mensa, weshalb man zum Mittagessen entweder etwas mitbringen oder zum zehn Minuten entfernten Hauptgebäude der Universität gehen muss. Einen gewissen Charme hat das Gebäude aber. Insbesondere die grosse Bibliothek mit Arbeitsplätzen frequentierte ich oft vor und nach dem Unterricht. Uns wurde jedoch gesagt, dass die Fakultät bald in einen Neubau ziehen wird. Dieser befindet sich auf einem Campus gemeinsam mit zwei weiteren Universitätsgebäuden, welche sehr modern gehalten sind und viele sehr gute Lernplätze bieten.
Der Unterricht ist spannend, wobei die Kurse sich in der Unterrichtsweise teils stark unterscheiden. Einige Kurse sind reiner Frontalunterricht, wobei andere sehr interaktiv mit Fragen und Vorträgen gestaltet sind. Der Unterricht findet gemischt mit lokalen Studierenden, also Muttersprachler*innen, statt. Daher ist das sprachliche Niveau ziemlich anspruchsvoll. Die Dozierenden und die Mitstudierenden nehmen jedoch viel Rücksicht auf internationale Studierende. Teilweise bekam ich abgeänderte Aufgaben, welche ebenfalls zum Thema passten, aber etwas einfacher waren. Etwas ungewohnt war die andere Diskussionskultur. Der Unterricht ist mehr oder weniger als offene Diskussion gestaltet, wobei man jederzeit, ohne sich zu melden, eine Frage oder einen Kommentar anbringen kann, selbst bei Vorträgen. Die Kurse sind wesentlich weniger strikt organisiert. Somit war beispielsweise lange nicht klar, wann und in welchem Format Prüfungen oder Vorträge stattfinden würden. Bei einem Kurs stellte sich sogar mitten während einer Lektion heraus, dass diese die letzte Lektion sein würde und die drei weiteren Lektionen im Plan von der Dozentin gar nicht angedacht waren. Glücklicherweise sind die Dozierenden sehr gut per Mail erreichbar, wodurch Unklarheiten geklärt werden können.
Freizeit/Leben
Riga ist eine Stadt, in der man sehr gut leben kann. Gerade im Frühling und im Sommer ist die Stadt sehr grün mit Pärken überall. Die Altstadt und das Zentrum sind sehr schöne Quartiere mit einem lebendigen Nachtleben. Es hat viele Bars und Clubs, die dazu sehr günstig sind. Über den ESN Riga (Erasmus Student Network) werden wöchentlich viele Events organisiert, wodurch man sich schnell mit anderen Austauschstudierenden vernetzen kann. Es ist daher sehr empfehlenswert ihnen frühzeitig auf Instagram zu folgen und ihrer Whatsappgruppe beizutreten, um sich so schnell wie möglich für diese Events anzumelden. Gerade anfangs sind diese nämlich schnell schon ausgebucht. Falls ein Event schon ausgebucht ist, kann man sich auf die Warteliste einschreiben, über die man meistens noch einen Platz bekommt.
Riga hat auch sonst viel zu bieten. Der Fluss ist sehr schön und sieht je nach Wetterlage und Jahreszeit anders aus. Man kann sehr viel spazieren und ständig Neues entdecken. Dazu hat es viele Cafés und Restaurants. Vom im Zentrum gelegenen Bahnhof kommt man mit dem Zug innerhalb einer Stunde an mehrere verschiedene Strände. Es handelt sich dabei um wunderschöne lange Sandstrände, umgeben von Kiefern. Ausserdem hat es viele Verbindungen zu anderen Städten in Lettland wie Liepāja und Daugavpils sowie zu Nationalparks wie Gauja und Ķemeri. Auch kann man gut nach Estland oder Litauen reisen. Fernbusse eignen sich ebenfalls gut dazu, allerdings bin ich grösstenteils mit dem Zug gereist. Vom Flughafen Riga gibt es zudem Verbindungen nach Skandinavien, welche ebenfalls nicht besonders teuer sind.
Ein weiterer Vorteil sind die vielen Supermärkte welche jeden Tag der Woche bis spät geöffnet sind und die man überall finden kann. Es gibt auch relativ günstige Optionen zur Velomiete. Das Velonetz wird aktiv ausgebaut, was bedeutet, dass es noch einige Baustellen gibt. Die fertiggestellten Abschnitte sind jedoch sehr angenehm zum Fahren. Das gilt nicht nur für Riga selbst sondern für ganz Lettland. Der öffentliche Verkehr ist ebenfalls gut ausgebaut und insbesondere für Studierende sehr günstig. Ausserhalb des Sommers sind, als ich dort war, keine Nachtbusse gefahren, weshalb ich einige Male mit einem Bolt fahren musste. Meistens ging es jedoch gut nachhause zu laufen. Die Stadt ist selbst Nachts sehr sicher und gut beleuchtet.
Fazit
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, meinen Auslandsaufenthalt in Riga gemacht zu haben. Abgesehen von meiner Wohnsituation war es wirklich eine tolle Erfahrung. Meine Russischkenntnisse haben sich auf jeden Fall verbessert und dazu durfte ich auch etwas Lettisch lernen, das ich gleich vor Ort verwenden konnte. Da in Riga etwa die Hälfte der Bevölkerung Russisch spricht, kann man, insbesondere in den östlicheren und nördlicheren Quartieren, sehr viel Russisch sprechen. Im Zentrum war ich meist etwas vorsichtiger, da ich unsicher war, ob die jeweiligen Gegenüber auch wirklich Russisch sprechen würden. Im Nachhinein hätte ich da aber noch mutiger sein können. In der Regel kann man in diesen Fällen einfach zum Englischen wechseln. Gerade was zwischenmenschliche und interkulturelle Kompetenzen betrifft, konnte ich enorm viel von diesem Semester mitnehmen. Einerseits ist man im ständigen Austausch mit einem anderen Kulturkreis. Andererseits lernt man enorm viele andere internationale Studierende kennen, welche ebenfalls eigene Erfahrungen mit sich bringen. Dieser ständige Austausch ist meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt des Semesters und ein guter Grund, einen Auslandsaufenthalt anzutreten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man sogar Freunde findet, die einem ein Leben lang bleiben.
Jasmin Rihner, Austauschsemester in Riga (HS 2025)
Vorbereitung
Die Vorbereitungen für mein Auslandssemester in Riga verliefen dank meiner Fachkoordinatorin an der UZH grösstenteils reibungslos. Ich hatte sie bereits frühzeitig darüber informiert, dass ich im Sinne habe, ein Auslandssemester zu machen. Sie hat mich dann über alle Fristen informiert und der Bewerbungsprozess war für mich meist unkompliziert. Eine kleine Schwierigkeit war, dass ich gewisse Unterlagen doppelt einreichen musste – einmal bei der UZH und dann einige Wochen darauf bei der Gastuniversität, der University of Latvia. Dies mag daher rühren, dass ich die erste Person war, die den neuen Vertrag zwischen der UZH und der University of Latvia in Anspruch genommen hat. Abgesehen von diesen administrativen Prozessen habe ich im Semester vor meinem Auslandssemester sowie in der vorlesungsfreien Zeit an meinen Russischkenntnissen gearbeitet. Da ich Slavische Sprach- und Literaturwissenschaften studiere und diese Studienrichtung in Riga vorwiegend auf Russisch unterrichtet wird, war es für mich grundlegend, meine Sprachkenntnisse vor der Abreise nochmals zu vertiefen und aufzufrischen. Hierzu besuchte ich im vorherigen Semester weiterhin meinen Russischkurs und versuchte zudem, mehr russischsprachige Inhalte in meiner Freizeit zu konsumieren, beispielsweise Podcasts.
Zimmersuche/Wohnen
Ich wurde von der Gastuniversität frühzeitig darüber informiert, dass die Universität ihr eigenes Wohnheim hat und empfiehlt, sich dort für ein Zimmer zu bewerben. Ich habe mich ausserdem über die Webseite der Universität über andere Wohnmöglichkeiten informiert und habe mir Inserate für Zimmer in Wohngemeinschaften angeschaut. Aus Preisgründen habe ich mich schlussendlich doch für ein Zimmer im Wohnheim entschieden. Ausserdem war ich offen für eine neue Erfahrung, da ich zuvor noch nie in einem Wohnheim gelebt hatte. Lange überlegte ich, ob ich mich für ein Einzel- oder Doppelzimmer bewerben sollte und entschied mich schlussendlich für letzteres. Sobald ich die definitive Bestätigung der Gastuniversität hatte, schickte ich also meine Bewerbung für das Wohnheim ein und erhielt einige Wochen darauf auch hierfür eine Bestätigung. Ich musste mein definitives Anreisedatum noch um einige Tage ändern und schrieb dem Wohnheim daher etwa einen Monat vor meiner Anreise noch eine Mail, erhielt darauf aber nie eine Antwort. Ich war daher vor meiner Anreise ein wenig nervös, als ich dann aber an der Rezeption des Wohnheims stand, schien dies nicht wichtig zu sein. Ich erhielt, wie gewünscht, einen Platz in einem Doppelzimmer. Neben einem Doppelzimmer liegt in diesem Wohnheim immer noch ein Einzelzimmer, mit dem man sich ein Abteil mit Dusche und Toilette teilt. Beide meine Mitbewohnerinnen schienen auf den ersten Eindruck sehr sympathisch – und glücklicherweise hat sich dieser Eindruck bis zum jetzigen Zeitpunkt gehalten. Problematisch für mich waren hingegen die Hygienezustände im Wohnheim: Unsere Zimmer wurden vor unserer Anreise scheinbar nicht gereinigt, es lagen viel Staub und Haare am Boden, wir fanden gar einige tote Insekten. Die Küche, die vom gesamten Stockwerk gemeinsam genützt wird, wurde von anderen Bewohnenden regelmässig in einem unbenutzbaren Zustand zurückgelassen und die Reinigungsarbeiten seitens des Wohnheims waren leider nur rudimentär. Ausserdem hörten wir schnell von anderen Bewohnenden, dass es in einigen Zimmern ein Problem mit Kakerlaken gibt. Auch wir sahen ab und zu Kakerlaken – vor allem im Wäscheraum im Keller, selten gar in unserem Zimmer. Mehrere Male während meines Aufenthalts mussten Bewohnende bestimmter Stockwerke – einmal auch des ganzen Wohnheims – ihre Zimmer evakuieren, damit Insektizide in die Zimmer gesprüht werden konnten. Das Personal des Wohnheims war leider meistens auch nicht sehr hilfreich und die meisten Mitarbeitenden sprachen nur wenig Englisch, weswegen es schwierig war, etwas kompliziertere Sachverhalte zu vermitteln. Insgesamt brachte mir das Wohnen im Wohnheim allerdings viele Geschichten, die ich meiner Familie und Freunden zuhause erzählen konnte und ich versuchte, die Umstände wann immer möglich humorvoll zu verarbeiten. Ich glaube auch, dass mich diese Erfahrungen einiges in Sachen Selbständigkeit und Problemlösung gelehrt haben.
Universität
Die Universitätsgebäude der University of Latvia sind recht klar nach Fakultäten eingeteilt. In meinem Fall fand der Unterricht also ausschliesslich an der Faculty of Humanities statt. Das Gebäude ist definitiv in die Jahre gekommen, uns wurde auch zu Beginn gesagt, dass die Universität schon einige Jahre an einem neuen Gebäude für die Geistes- und Sozialwissenschaften arbeitet. Als die Tage langsam kälter wurden, wurde mir das Alter des Gebäudes erst richtig bewusst, da es in den Unterrichtsräumen teilweise so kalt wurde, dass die meisten Studierenden in ihren Jacken dasassen. Der Unterricht war meist spannend und die Dozierenden wirkten engagiert. Jedoch gab es für mehrere meiner Fächer keinen übersichtlichen Semesterplan, sodass ich teilweise mehrmals nachfragen musste, wann und wie unsere Prüfungen am Ende des Semesters verlaufen werden. Bei einigen meiner Fächer wirkte der Unterricht insgesamt etwas chaotisch, beispielsweise fielen Kurse spontan aus oder wurden an anderen Tagen nachgeholt, sodass sie sich dann teilweise mit anderen Kursen überschnitten. Die Universität verfügt über ein Portal, das dieselben Funktionen wie OLAT abdecken sollte, allerdings haben viele meiner Dozierenden ihre Präsentationen und andere Unterlagen nicht regelmässig oder überhaupt nicht dort hochgeladen. Dies führte dazu, dass ich sie jeweils per Mail danach fragen musste, mir die Präsentationen zu schicken, wenn ich beispielsweise krankheitsbedingt nicht am Unterricht teilnehmen konnte. Ein aus meiner Sicht positiver Punkt war, dass die Dozierenden der Russistik darauf achteten, ihre Kurse auch für uns internationalen Studierenden zugänglich zu machen. Da sich die Kurse in erster Linie an Russisch-Muttersprachler:innen richten, gaben sie uns weniger oder leicht abgeänderte Aufgaben, damit wir zwar auch mit dem Kursmaterial arbeiten und unsere Sprachkenntnisse verbessern konnten, aber nicht überfordert waren. Ausserdem waren sämtliche Dozierende sehr gut per Mail erreichbar, sodass man problemlos Fragen stellen konnte.
Freizeit
Riga ist eine sehr lebendige Stadt, in der es immer etwas zu tun gibt. Ausserdem arbeitet die Universität eng mit dem hiesigen Erasmus Student Network (ESN) zusammen, sodass es jede Woche grösstenteils kostenlose Veranstaltungen und Ausflüge gab, an denen alle Studierenden teilnehmen konnten. Dies machte es sehr einfach, andere Studierende kennenzulernen, besonders diejenigen, die auch gerade ihr Auslandsemester angefangen hatten. Es war etwas schwieriger, Kontakt zu einheimischen Studierenden zu knüpfen, doch das ESN bot auch hier in Zusammenarbeit mit den städtischen Universitäten eine Möglichkeit an, sich für ein «Buddy-System» anzumelden und so einer oder einem lettischen Studierenden zugeteilt zu werden, die oder der dann für Fragen oder auch gemeinsame Aktivitäten verfügbar ist. Ich habe mich hierfür angemeldet und hatte bereits am Tag meiner Anreise den ersten Kontakt zu meinem Buddy, der mir dann auch im Laufe des Semesters immer wieder Fragen beantwortete, Veranstaltungstipps gab und auch einige Male mit mir und meinen Mitbewohnerinnen auf Ausflüge in umliegende lettische Ortschaften kam. Diese Ausflüge in ländlichere Regionen, besonders im Herbst, als die Blätter langsam orange und gelb wurden, waren für mich Highlights meines Aufenthalts. Lettland hat ein recht gutes und günstiges öffentliches Verkehrsnetz, sodass man vor allem mit dem Zug sehr unkompliziert Tagesausflüge unternehmen kann. Besonders empfehlen als Ziele solcher Tagesausflüge würde ich Sigulda, Cēsis und Ogre. In Riga selbst genoss ich es besonders, möglichst viele verschiedene Restaurants und Cafés auszuprobieren. Ich habe hierfür eine Liste mit Orten angelegt, die ich bereits besucht habe und welchen, die ich noch besuchen möchte. Die Liste wächst immer noch weiter und ist für mich auch ein Grund, bestimmt noch einmal zurück nach Riga zu kommen, wenn mein Aufenthalt beendet ist. Auch genossen habe ich es, dass Geschäfte hier meistens längere Öffnungszeiten haben als in der Schweiz und grösstenteils auch sonntags geöffnet sind. Ausserdem habe ich oft und gerne kulturelle Veranstaltungen besucht und viele davon, darunter Konzerte und Filmvorführungen, waren sogar kostenlos. Generell ist Riga eine sehr studierendenfreundliche Stadt, was sich auch an den vielen Vergünstigungen für Studierende zeigt.
Fazit
Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit meinem Aufenthalt. Ich war bereits vor meinem SEMP-Auslandssemester einmal in Riga und wusste daher schon, dass mir die Stadt sehr gut gefällt und ich gerne noch mehr Zeit hier verbringen würde. In erster Linie habe ich Riga aber gewählt, um meine Russischkenntnisse zu verbessern. Auch dies ist meiner Meinung nach definitiv gelungen, vor allem, weil ich meinen eigenen Fähigkeiten nun mehr vertraue, da ich beispielsweise vor Muttersprachler:innen Präsentationen gehalten habe und auch im Alltag mehrere Interaktionen auf Russisch hatte, die reibungslos verlaufen sind. Generell finde ich die Sprachsituation in Lettland sehr spannend, da sowohl Lettisch als auch Russisch von grossen Teilen der Bevölkerung als Erstsprache gesprochen werden, jedoch auch Englisch weit verbreitet ist, da zwischen lettisch- und russischsprachigen Menschen teilweise nur begrenzte Kommunikation möglich ist. Ich habe während meines Aufenthalts auch einen Lettisch-Sprachkurs besucht. Für mich als sprachenbegeisterte Person war dies eine aussergewöhnliche Möglichkeit, da es in der Schweiz nur vereinzelt möglich ist, einen Lettisch-Grundkurs zu besuchen. Ausserdem würde ich sagen, dass sich durch die Auseinandersetzung mit sowohl einheimischen Menschen als auch anderen internationalen Studierenden meine interkulturellen Kompetenzen spürbar verfeinert haben. Nicht zuletzt war es insgesamt sehr eindrücklich für mich, ein akademisches Umfeld im Ausland zu erleben und Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zu meiner Heimuniversität wahrzunehmen. Ich bin überzeugt, dass mir diese Erfahrung noch sehr lange bleiben wird.