Geschichte des Instituts
Gründung des Instituts für Slavistik und Osteuropastudien 2026
Das Institut für Slavistik und Osteuropastudien wurde am 1. Januar 2026 gegründet. Es ist aus einer Zusammenlegung des Slavischen Seminars und des CEES (Center für Osteuropastudien) entstanden.
Geschichte des Slavischen Seminars (1961-2025)
Wie auch an anderen Universitäten haben sich an der Universität Zürich die slavistischen Studien erst allmählich und nicht sehr kontinuierlich entwickelt. Es gab schon 1881/82 ein Seminar über Puškins Versroman "Evgenij Onegin" (gehalten von Friedrich Haag), hin und wieder Lehrveranstaltungen über slavische Sprachen und Literaturen und zwischen 1921 und 1936 erhielt der aus Russland emigrierte A. V. Leontieff einen Lehrauftrag für Russische Sprache und Literatur. Aber die Slavische Philologie besass bis in die 1960er Jahre keinen eigenen Lehrstuhl, sondern war von 1936 bis 1959 als Fach durch den Privatdozenten Ernst Dickenmann vertreten.
Seminargründung und erster Lehrstuhl
Der Lehrstuhl für Slavische Philologie wurde mit der Berufung von Peter Brang aus Bonn auf Beginn des Sommersemesters 1961 geschaffen. Gleichzeitig mit der Berufung wurde auch das Slavische Seminar gegründet. Brang vertrat zunächst das gesamte Fach, bis 1974 ein gesonderter Lehrstuhl für Slavische Sprachwissenschaft eingerichtet wurde, auf den man Robert Zett berief. Der kontinuierliche Ausbau des Seminars bedeutete auch die Schaffung von Assistenzstellen und den Ausbau der Administration in den 60er und 70er Jahren.
Das Slavische Seminar hatte verschiedene Standorte in Zürich, bevor es im Herbst 1981 die Seminarräume an der Plattenstrasse 43 bezog.
Das Seminar 1990-2009
Als Nachfolger von Peter Brang wurde 1991 Jochen-Ulrich Peters auf den Lehrstuhl für Slavische Philologie gewählt. Er hatte in Berlin promoviert und mit einer Abhandlung zu Kunst als organisierte Erfahrung (über Kunsttheorie, Literaturkritik und Kulturpolitik) habilitiert. Sein Interesse galt unter anderem der Russischen Satire im 20. Jahrhundert und dem Zusammenhang zwischen diesem literarischen Genre und der gesellschaftlich-sozialen Realität. Peters hat sich insbesondere auch mit Majakovskij befasst (Poesie und Revolution, 1979) sowie mit der Dichtung von Anna Achmatova.
Robert Zetts Nachfolge trat nach einer zweijährigen Vakanz 1993 Daniel Weiss an. Er hatte 1975 in Zürich mit einer Studie zu Syntax und Semantik polnischer Partizipialkonstruktionen im Rahmen einer generativ-transformationellen Sprachbeschreibung promoviert. Für seine weitere Entwicklung war der Postdoc-Aufenthalt in Moskau 1976 massgebend, der zu intensiven wissenschaftlichen und persönlichen Kontakten mit den führenden Vertretern der sogenannten Moskauer Semantischen Schule führte. Weiss' Schwerpunkt lag zunächst vorwiegend im Bereich der Textlinguistik (Grammatik des Textverweises, Satzkonnexion). Ab Mitte der 1980er Jahre galt sein Interesse zunehmend der Sprache der Politik im Realen Sozialismus. Daraus ging ein interdisziplinär orientiertes, aber linguistisch zentriertes SNF-Forschungsprojekt hervor ("Zur Geschichte der verbalen Propaganda im Realen Sozialismus", 1996-2001). Weiss beschäftigte sich im Zusammenhang mit einem von der EU finanzierten transnationalen Forschungsprojekt zudem mit dem Thema "Nahrung in der Sowjetwerbung und –propaganda". Daneben verfolgte er weitere Schwerpunkte, insbesondere die typologische und kontrastive Charakterisierung des modernen Russischen und Polnischen, Einzelfallstudien in lexikalischer Semantik, formale Sprachmodelle, zeitweilig auch Sprache und Sexus. Zuletzt leitete er ein weiteres SNF-Projekt zur politischen Kommunikation in Polen, Russland und Tschechien Implizite Strategien in der heutigen politischen Kommunikation Russlands, Polens und Tschechiens, SNF 2012-2017).
Seit 1996 war German Ritz, der mit einer Studie zur russische Heine-Übersetzung in Zürich promovierte und 1989 mit dem Buch "Die polnische Prosa 1956-1976. Modellierung einer Entwicklung" habilitierte, Titularprofessor. Nach einer Reihe von Aufsätzen zur russischen Literatur legte er besonders in den 90er Jahren das Schwergewicht seiner Forschung auf die polnische, teilweise auch auf die tschechische Literatur und die Gender-Problematik in der schönen Literatur.
Entwicklungen ab 2009
Als 2009 Sylvia Sasse auf den Lehrstuhl für Slavistische Literaturwissenschaft berufen wurde, hat sich die Lehre und Forschung regional und disziplinär erweitert. Sasse ist bekannt für ihre interdisziplinäre Forschung im Bereich Literatur, Bildende Kunst und Performance Art, die in zahlreichen Projekten, wie z.B. "Performance Kunst in Osteuropa", "Literatur und Kunst vor Gericht" vom SNF und ERC (Grant) gefördert wurde. Sasse präsentiert ihre Forschung nicht nur in Büchern, sondern auch in Ausstellungsprojekten, u.a. in der Ausstellung "Artists und Agents. Geheimdienste und Performance Art", die mit dem Preis der deutschen Kunstkritiker:innen (AICA) für die beste Ausstellung 2020 ausgezeichnet wurde. Ihre Veröffentlichungen sind in mehrere Sprachen übersetzt worden und werden in der Öffentlichkeit breit diskutiert.
Von 2016 bis 2022 hatte Dorota Sajewska am Slawischen Seminar eine Assistenzprofessur für Interart (ohne tenure track) inne und verstärkte auf dieser Professur die polonistische Ausbildung und die Verknüpfung mit den anderen Künsten an der UZH. Sie arbeitete zudem auch am ZKK (Zentrum Künste und Kulturtheorie) mit und warb ein Drittmittelprojekt zu Krise und Communitas Performative Konzepte des Gemeinschaftlichen in der polnischen Kultur seit Beginn des 20. Jahrhunderts" ein. 2023 wurde Dorota Sajewska auf eine W3-Professur für Theaterwissenschaft und Performance Studies an die Universität Bochum berufen.
Von 2026 bis 2023 hatte Barbara Sonnenhauser die Professur für Slavistische Sprachwissenschaft inne, bevor sie im Frühjahr 2023 an die LMU München wechselte. Sonnenhauser lancierte am Slavischen Seminar mehrere vom SNF geförderte Forschungsprojekte zu südslavischen bzw. Balkansprachen, u.a. (Dis-)entangling traditions on the Central Balkans: Performance and perception (TraCeBa), ‘Ill-bred sons’, family and friends: tracing the multiple affiliations of Balkan Slavic, Albanisch im Kontakt. Horizontaler Transfer und Identitätsstiftung in der Mehrsprachigkeitspraxis. Ihr Forschungsschwerpunkt umfasste u.a. die reale und soziokulturelle Einbettung von sprachlicher Dynamik, syntaktische Strukturen in synchroner und diachroner Perspektive, philologische Perspektivierung diachroner Entwicklungen im Bereich lexikalischer Semantik, Morphosyntax, Syntax, Diversität poetischer Sprache, Variation und Merkmalsdiffusion in arealer und familieninterner Perspektive u.a.
2024 konnte das Slavische Seminar eine zusätzliche Stelle einrichten, eine Lecturer Stelle Research, die mit Roman Horbyk besetzt worden ist. Horbyk ist promovierter Medienwissenschaftler und insbesondere auf die Erforschung von Propaganda und Desinformation in den Medien spezialisiert. Er forscht u.a. zur Propaganda im russländischen Krieg gegen die Ukraine.
Das studentische Interesse an Slavistik wuchs mit der Öffnung Osteuropas infolge der Perestrojka in der Mitte der 1980er Jahre und mit der Wende von 1989. Im Verlauf der 90er Jahre ging dieses Interesse wieder zurück, stieg nach 2000 wieder deutlich an, um nach 2014, mit Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine im Bereich Russistik wieder deutlich abzunehmen. Gestiegen ist jedoch das Interesse an der Südslavistik, BKMS, das am Slavischen Seminar immer stärker ausgebaut worden ist. Die Ausdifferenzierung des Fachs in Sprach- und Literaturwissenschaft sowie in Medienwissenschaft und das zeitweise zusätzliche Angebot in Theater- und Kunstgeschichte machen die Slavistik in Zürich seit 2009 zu einem Ort mit einem breiten Angebot, das zeitweise auch Forschung zu nichtslavischen Sprachen (Albanisch) und Kulturen (ungarische Kunstgeschichte) umfasst. Die hohe Sprachkompetenz in den verschiedenen Slavinen prägte das Profil der Studiengänge an der UZH.
Das Slavische Seminar pflegte zudem immer eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für osteuropäische Geschichte der UZH, die im gemeinsamen BA-/MA-Studiengang (Internationale)Osteuropastudien festgeschrieben wurde. Die Interdisziplinarität des Fachs zeigte die zunehmende kulturhistorische Ausrichtung des Fachs, die sich auch in einer stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Philologien, der Filmwissenschaft und der Kunstgeschichte zeigte. Das Slavisches Seminar ist am Studoenprogramm Kulturanalyse, Gender Studies, die Monomaster Literaturwissenschaft und Monomaster Sprachwissenschaft verknüpft. Prof. Sasse hat das ZKK (Zentrum Künste und Kulturwissenschaft) mitbegründet und als gemeinsames Zentrum zwischen UZH und ZHdK aufgestellt.
Geschichte des CEES (2017-2025)
Das Center for Eastern European Studies (CEES) an der Universität Zürich ist ein politikorientiertes Forschungszentrum, das sich mit aktuellen Fragen Osteuropas befasst. Das CEES stellt über Open-Access-Publikationen, die Durchführung von Tagungen, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung Orientierungswissen für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft sowie für eine interessierte Öffentlichkeit bereit. Das Zentrum wurde 2017 von Prof. Dr. Nada Boškovska und Prof. Dr. Jeronim Perović gegründet und 2026 im Rahmen der Gründung des ISOS neu aufgestellt.