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Vortrag von György Dalos

Vor siebzig Jahren, am 23. Oktober 1956, begann der ungarische Volksaufstand gegen die stalinistische Diktatur. Ursprünglich handelte es sich um eine friedliche Demonstration von Studierenden Budapester Hochschulen im Zeichen der Solidarität mit der gleichzeitigen polnischen Bewegung. Zur gleichen Zeit entschied sich das Moskauer Politbüro zur Mobilisierung der im Rahmen des Warschauer Vertrags in Ungarn stationierten sowjetischen Streitkräfte zur Unterdrückung der Bewegung – man rechnete mit einem raschen Erfolg wie am 17. Juni 1953 in der DDR. Die darauffolgenden elf Tage gingen in die Annalen der ungarischen Geschichte als „Revolution" ein, während das mithilfe der Sowjetarmee wiederhergestellte kommunistische Regime die Ereignisse als „Konterrevolution" bezeichnete und ihre Führer und Teilnehmer strafrechtlich verfolgte – mehr als 200 Hinrichtungen fanden statt, Gefängnisse und Internierungslager waren zum Bersten voll. Im November und Dezember 1956 kam es angesichts der unbewachten Westgrenze zu einer Massenflucht von 200'000 Ungarn. Das historische Trauma wirkte noch jahrzehntelang auf die Gesellschaft nach. Gleichzeitig begriff die neue KP-Führung um János Kádár, dass das Land nach 1956 nicht mehr ganz so regiert werden konnte wie davor. Soziale Erleichterungen, verbesserte Lebensmittelversorgung und Lockerungen im kulturellen Bereich schufen ab den 1960er Jahren das Phänomen des „Gulaschkommunismus", einer durch Konsum und „kleine Freiheiten" gemilderten, modernisierten Variante der Diktatur.

Datum: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 18.00 Uhr
Ort: Universität Zürich – Rämistrasse 59, 8001 Zürich, Raum: RAA-G-01

Genaueres finden Sie unter folgendem Link.

Veranstalter: Prof. Dr. Kassymbekova, Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, Historisches Seminar, Universität Zürich
Der Vortrag wird mit Unterstützung der Stiftung zur Förderung der ungarischen Geschichte, Kultur und Sprache durchgeführt.

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